Kampfsport und Kinder:
- Soziale Entwicklung wird gefördert
- Vitalität des Körpers und Geistes wird trainiert
- koordinative Fähigkeiten werden trainiert
- Selbstverteidigungstechniken heben die Selbstsicherheit und steigern das Selbstwertgefühl
- Unterstützung bei Aggressionssteuerung
Jiu Jitsu im Allgemeinen
Jiu Jitsu kommt aus dem Japanischen und steht übersetzt für „sanfte Kunst“. Im gesellschaftlichen Wandel sanken im asiatischen Raum die Popularität des Kampfsportes und die Notwendigkeit, Samuraikünste zu beherrschen. Vor erst ca. 100 Jahren durch anstehende Kriege und Verbrechensbekämpfung besann man sich wieder dieser alten Tradition. Aus dieser Zeit kommen auch die Entwicklungen des Jiu Jitsu nach Europa und bringen rasch wettkämpferische Erfolge für Österreichs Pioniere (Emetshuber) wie auch die erfolgreiche Verbreitung im Raum Deutschland und Frankreich. Von da an wurden diese Künste beim Bundesherr (Bundeswehr) und den verschiedensten Polizeiabteilungen gelehrt und angewandt. Eine auf Energieeffizienz ausgerichtete Eigenentwicklung basierend auf Jiu Jitsu Techniken bildet das Goshindo. Es wurde unter anderem von Kyoshi Alain Sailly (Frankreich) mitentwickelt und noch heute von ihm persönlich unterrichtet (besucht regelmäßig Österreich).
Eine Grundlage des Jiu Jitsu ist das permanente Lernen. Im praktizierten Jiu Jitsu geht es um sich ständiges Weiterentwickeln. Der Vielfalt ist dabei keine Grenze gesetzt. Dabei bilden die traditionellen Techniken eine umfassende Basis. Diese werden mit japanischen Begriffen beschrieben. Gerade im Umgang mit Kindern ist eine physiologische Bewegungslehre, der Aufbau von Kondition, das Verhalten in einer Gruppe und das Erlernen von Verantwortung zu leben. Dabei werden Schüler genauso gefordert, wie deren Trainer.
(1) soziale Entwicklung fördern
Jiu Jitsu wird im Verein üblicherweise in Gruppen trainiert. Das Training baut auf sich wechselnde Trainingspartner auf. Dadurch werden Kinder abwechslungsreich in Einzel-, Zweier- und Gruppenübungen trainiert. Die Aufgabe des Trainers dabei ist es, persönliche Ablehnung der Kinder vor dem Training abzuklären. Bei unpassenden Gruppierungen steigt die Verletzungsgefahr an. Bei Gruppenübungen lernen Kinder zudem beim Partnertausch, dass unterschiedliche Fähigkeiten der einzelnen Partner ganz individuelle Verhalten ihrerseits bei einer Übung bewirken. Typisches Beispiel dafür ist: Ein offensichtlich physiologisch schwächer gebautes Kind kommt mit einem „stärkeren“ Trainingspartner zusammen (Widerwillen) -> sofortige Maßnahme des Trainers erforderlich.
Gruppendynamik:
Den Kindern wird ihr Verhalten z.B. mittels Spiel verdeutlicht. Im Spiel kommt heraus, welches Kind welche Stellung in der Gruppe einnimmt und welche Wechselwirkungen entstehen. Geraten Auseinandersetzungen aus den Fugen und passieren gruppenschädigende Handlungen, muss der Trainer verhaltensregelnde Maßnahmen setzen (Bestrafung: Grenzen aufzeigen = Erziehung). Bei der Arbeit mit Kindern übernimmt der Trainer die Verantwortung mit Maßnahmen der Erziehung.
Verantwortung:
Den Kindern wird das Bewusstsein geschärft, dass jedes Handeln eine Wirkung hat. Daher bleib bei jedem Training von Techniken oberstes Ziel, weder sich selbst zu gefährden, noch seine Trainingspartner zu verletzen.
(2) physische und psychische Vitalität trainieren
Den Kindern wird richtige, körperliche Beanspruchung spielend beigebracht. Dies beginnt beim Aufwärmen durch einfache Gruppenspiele, führt über Kraftausdauertrainings, wie z.B. Zirkeltrainings bis hin zu ausgeklügelten Wettstreits, wo neben den körperlichen Anforderungen auch Disziplin und Respekt herausgearbeitet werden.
Physiologisch korrekte Übungen:
Der Trainer schaut bei seinen Übungen darauf, diese nach geltenden sportmedizinischen Grundlagen durchzuführen. Dies setzt eine permanente Bereitschaft der Trainer sich weiterzubilden voraus. Aufwärmen ist elementar wichtig, um die Verletzungsgefahr bei Gelenken, Muskeln und Bändern zu minimieren. Es wird langsam und steigernd aufgewärmt. Vom anfänglichen Gehen sind bis am Ende Kurzsprints möglich (ca. 15 Minuten). Den Kindern wird die richtige Körperhaltung vorgegeben. Kraft und Ausdauer lassen sich einfach mit Zirkelübungen trainieren. Hilfsmittel lockern dabei den Ablauf etwas auf. Es ist egal, ob die Übungen mit Bällen, Bänken, Schnüren oder Luftballons bereichert werden.
psychische Schärfung:
Die vom Kind erlernten Abläufe gehen in „Fleisch und Blut“ über. Die motorischen Reflexe werden gefördert und das Kind gewinnt an Standfestigkeit in unterschiedlichsten Lagen. Es lernt intuitiv einer störenden Angstreaktion durch erlernte Praktiken entgegenzuwirken (Abwehrbewegung des Arms bei einem Schlagangriff oder einfach ein Schrei).
(3) trainieren der koordinativen Fähigkeiten
Die Vielfältigkeit im Jiu Jitsu fördert die koordinativen Fähigkeiten der Kinder. Die in der Theorie nach Hirtz und Zimmermann unterschiedenen Bereiche erscheinen für den natürlichen Bewegungsdrang von Mensch selbstverständlich. Gerade durch die heutige Entwicklung des Umfeldes der Kinder, mangelt es sehr stark an diesen. Bestes Beispiel dafür ist der Verlust der Orientierungsfähigkeit von Kindern mit Bewegungsmangel. Diese schaffen es nicht, unter leichter Anstrengung, mehrere Runden gleichmäßig den äußeren Matten entlang, zu laufen (ab ca. 100m zurückgelegtem Lauf beginnen diese zu "taumeln", werden langsmer, schneller und bewegen sich in Schlangenlinie).
kinästhetische Differenzierungsfähigkeit |
Fähigkeit zum Erreichen einer hohen Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen, die in großer Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie zum Ausdruck kommt. |
| Reaktionsfähigkeit |
Fähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmäßiger motorischer Aktionen auf Signale. |
| Kopplungsfähigkeit |
Fähigkeit, Teilkörperbewegungen bzgl. eines bestimmten Handlungsziels räumlich, zeitlich und dynamisch aufeinander abzustimmen. |
| Orientierungsfähigkeit |
Fähigkeit zur Bestimmung und zielangepassten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers im Raum. |
| Gleichgewichtsfähigkeit |
Fähigkeit, den gesamten Körper im Gleichgewichtszustand zu halten oder während und nach umfangreichen Körperverlagerungen diesen Zustand beizubehalten oder wiederherzustellen. |
| Umstellungsfähigkeit |
Fähigkeit während des Handlungsvollzugs das Handlungsprogramm veränderten Umgebungsbedingungen anzupassen oder evtl. ein völlig neues und adäquates Handlungsprogramm zu starten. |
| Rhythmisierungsfähigkeit |
Fähigkeit einen von außen vorgegebenen Rhythmus zu erfassen und motorisch umzusetzen. Außerdem die Fähigkeit einen verinnerlichten Rhythmus einer Bewegung in der eigenen Bewegungstätigkeit zu realisieren. |
| Geschicklichkeit |
Die Leichtigkeit, mit der Fähigkeiten erlernt werden, bzw. das Ausmaß, mit dem eine besondere Fähigkeit erworben wurde. |
| Wendigkeit |
Die Fähigkeit, unter partieller Kontrolle des Körpers schwierige, bauliche Gegebenheit zu überwinden. |
(Quelle: http://www.sportunterricht.de/lksport/kofae1.html )
(4) Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl heben,
durch Selbstverteidigungstechniken
Ein Kind, das mit seinen Fähigkeiten sich zu schützen bzw. eine „brenzlige“ Situation erkennt und gewaltausweichend, rechtzeitig ausweichen kann, strahlt natürlich Beherrschung und Selbstsicherheit aus. Wird es mit Gewalt konfrontiert hat es durch intuitive Maßnahmen bessere Chancen, heil heraus zu kommen. Ein selbstbewusster Schrei klingt überzeugender als ein ängstliches Wimmern.
Ist einem Kind langweilig, ist es leicht beeinflussbar und lässt sich zu „Dummheiten“ hinführen. Gerade in den letzten Monaten (2008 / 2009) scheinen immer öfters Meldungen in den Medien auf, wo Kinder aus dieser Langeweile, aber auch weil sie mit sich nichts anfangen können, Gewalttaten verüben. Mit dem richtigen Maß an Respekt vor anderen Kindern kehrt eher Ruhe in gespannten Situationen ein. Jiu Jitsu kennt keine sozialen Grenzen. Das Training führt Menschen zusammen und vereint Gegensätze.
Jiu Jitsu macht aus Kindern keine Soldaten. Den Kindern wird durch vorbildliches Verhalten der Trainer im Training, wie auch in deren Privatleben ein positives Sinnbild vermittelt. Im Training werden den Kindern Techniken vermittelt, welche sie dann als besondere Fähigkeit besitzen. Das Kind hat an geistiger Stärke gewonnen, wenn es Verständnis für das persönliche Verlieren (z.B. bei Wettkämpfen) hat UND es sich über den Sieg des anderen freuen kann.
Als wichtiger Bestandteil des Jiu Jitsu Trainings ist der respektvolle Umgang mit den Mitmenschen, der eine Überheblichkeit - aufgrund der Fähigkeit, besondere Kampfsporttechniken anwenden zu können – verbietet. Jiu Jitsu vermittelt die Technik und zudem die geistige Stärke damit vernünftig umzugehen.
(5) Unterstützung bei Aggressionssteuerung
Es liegt in der Natur der Menschen, sich im Kindesalter seine Persönlichkeit rundum zu schaffen. Die Kriminalisierung von Raufhandlungen im Kindesalter, bzw. deren Verbot nimmt den Kindern die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten und Grenzen selbst festzustellen. Die Aggression ist ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Wesens. Wenn das Kind nicht lernt, diese sehr starke Form des Ausdrucks zu leben entstehen wohl Defizite im Alter. Dem Kind ist der Sieg an sich nicht so wichtig, als die soziale Anerkennung zu erhalten, bzw. zu erkennen, das es stärkere Kontrahenten gibt und es sich unterordnen muss. Eine Auseinandersetzung bei Kindern (Raufen) dient auch der Schaffung von Beziehungen. Es werden Fähigkeiten ausprobiert und gelernt.
(6) Epilog
Die Aufgabe unseres Vereins Jiu Jitsu Goshindo Horn sind, wie in meiner Arbeit dargestellt wird, vielfälltig. Ob es um die Weitergabe von Kampfsporttechniken zu Selbstverteidigungszwecken, das Kennenlernen von intakten sozialen Zusammenhängen (Gruppe), Disziplin, Verantwortung und und und geht - Freude an der Aufgabe steht dabei immer im Vordergrund.
Es ist für unseren Verein wichtig, die Kinder sicherlich nach sportmedizineschen Aspekten aber primär zu "ordentlichen" Mitmenschen zu erziehen und ihnen dabei die Fähigkeit, ihren Körper zu beherrschen, mitgeben.
Ziel erreicht heißt: Ein Kind hilft Ihnen einmal über die Strasse.
Ihr
Bernhard Gutternig
(November 2009)
Fähigkeit zum Erreichen einer hohen Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen, die in großer Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie zum Ausdruck kommt. |